Die Ordnungswerkstatt Regensburg

Ordnungscoaching – ein Begriff, der in Deutschland noch recht wenig verbreitet, aber immer mehr im Kommen ist. Bekannt gemacht hat ihn die japanische Aufräumkönigin Marie Kondo, die mit millionenfach verkauften Büchern und einer eigenen Netflix-Serie Menschen zum Ausmisten und Ordnung schaffen animiert.

Das gleiche Ziel verfolgt auch die bekennende Ordnungsliebhaberin Janet Schalk aus Regensburg. Sie hat Anfang 2018 mit „Die Ordnungswerkstatt – Freiraum mit System“ ihren Ordnungsservice ins Leben gerufen und hilft seither Menschen, ihr Zuhause und ihr Leben zu ordnen. Selbständige, kleine Büros und Firmen hingegen profitieren von ihrer 17-jährigen Erfahrung in der Logistik der Automobilindustrie, denn deren Bürochaos rückt die Regensburgerin mit den Kaizen-Methoden „5S“ und „7 Arten der Verschwendung“ zu Leibe. Wir haben die studierte Betriebswirtschaftlerin, die mittlerweile auch Ausbildungen zum Aufräumcoach anbietet, befragt.

„Das Leben ordnen“ – eine gewagte Aussage, die du da triffst, oder?

Das ist richtig, aber es ist tatsächlich so, dass innere Ordnung einkehrt, sobald man äußere Ordnung schafft. Das haben wir alle schon einmal erlebt: Erleiden Menschen einen Tief- oder Rückschlag, einen Verlust oder ähnliches, dann laufen viele als erstes zum Friseur oder beginnen, ihr Zuhause auszumisten. Sie befreien sich einfach von Ballast und Überflüssigem. Als Folge können sie wieder befreiter – ich möchte fast sagen – klarer denken und sind bereit für Neues. Und da rede ich nicht nur von materiellen Dingen. Äußere Ordnung sorgt für innere Ruhe – auf allen Ebenen.

Während der Arbeit mit deinen Kunden ist dir besonders wichtig…?

… auf die Bedürfnisse eines jeden einzelnen einzugehen. Da spielen unterschiedliche Ordnungstypen eine große Rolle. Ich bin Perfektionistin und liebe Aktenordner in der gleichen Farbe und Beschriftung. Einem Kreativen oder jemandem, der auf Funktionalität Wert legt, ist das völlig egal. Dann nützt es nichts, ihm mein System überstülpen zu wollen. Mein Ziel ist es, ein für die Kunden passendes, individuelles Ordnungssystem zu entwickeln, das für ihren Alltag und ihre Routinen funktioniert und mit dem sie für den Rest ihres Lebens glücklich sind. Wenn sie täglich gern nach Hause kommen, habe ich alles richtig gemacht.

In den (sozialen) Medien sieht man immer wieder Ordnungssysteme aus Plastikboxen. Wie stehst du dazu in Zeiten von Klimawandel und Ressourcenschonung?

Dass alles (wirklich alles!) in einem Haushalt seinen festen Platz hat, ist essentiell. Um das zu erreichen, sind Boxen ein wunderbares und unausweichliches Mittel. Ja klar, es gibt clevere Ordnungssysteme aus Kunststoff, aber mittlerweile auch ein unglaubliches Angebot an wunderschönen Boxen aus Holz, Dokumentenhaltern aus Bambus oder Ordnungsboxen aus Stoff. In den meisten Fällen jedoch müssen gar keine neuen Anschaffungen getätigt werden. Es ist mir wichtig, mit den Dingen zu arbeiten, die bereits vorhanden sind, z. B. Schuhkartons oder alten Verpackungen. Das lieben auch meine Kunden, bei denen das Nachhaltigkeitsdenken immer spürbarer wird.

Aufräumen – kann das nicht jeder?

Diese Frage begegnet mir nicht zum ersten Mal. Für mich sind Aufräumen und Organisieren zwei Paar Schuhe. Aufräumen wird von den meisten täglich praktiziert, ist jedoch nur oberflächlich: Sie packen herumliegende Dinge mal eben irgendwo hin oder stopfen sie in einen Schrank. Es ist eine vorübergehende Ordnung und die Wohnung daher augenscheinlich sauber. Die Krux ist einfach, dass uns als Kind gesagt wurde „Kind, räum dein Zimmer auf“, uns aber niemand beigebracht hat, wie das geht.

Beim Organisieren hingegen schaffe ich daher bei meinen Kunden eine Struktur, durch die Dinge ganz leicht wieder an ihren Platz zurückgelegt werden können. Mit Hilfe eines passenden Systems und dem gemeinsamen Ausarbeiten von Gewohnheiten für bestimmte Tätigkeiten (vom Bett machen bis hin zum Zusammenlegen der Sofadecke) ist so für jeden möglich, nur noch weg- anstatt aufzuräumen.

Nach deinem Ordnungscoaching, ist es ordentlich bei den Kunden. Aber schaut es nach zwei Wochen bei den meisten nicht wieder genauso aus wie vorher?

Es geht in meinen Kundenterminen nicht nur darum, Dinge aufzuräumen. DENN: Man kann Krempel nicht aufräumen. Gründliches Ausmisten ist immer eine Grundvoraussetzung für dauerhafte Ordnung. Ich helfe meinen Kunden dabei, Dinge zu hinterfragen, sie gehen zu lassen und genau das Maß an Gegenständen zu finden, mit denen sie sich wohlfühlen. Ein wunderbarer Nebeneffekt ist oft, dass sie ihren Besitz wieder wertschätzen und sogar ihr zukünftiges Kaufverhalten überdenken.

Um ein System einzuführen, das für die Kunden funktioniert, analysieren wir anschließend gemeinsam ihre Arbeitsabläufe und entwickeln passende Routinen, damit sie die Ordnung leicht beibehalten können. Ohne das Verinnerlichen neuer Gewohnheiten geht es leider nicht. Unzählige Tipps zum Thema Ordnung und Checklisten zu verschiedensten Themen (Routinen, Haushalt, To-Dos, Entsorgung u.v.m.) helfen ihnen schließlich beim Dranbleiben.

Hast du einen Tipp, wie man eigenständig versuchen kann, Ordnungsgewohnheiten zu entwickeln? 

Auf jeden Fall klein anfangen. Das ist wie beim Joggen oder Abnehmen – die meisten stecken sich zu hohe Ziele und wundern sich dann, dass sie nach zwei Wochen aufgeben. Nehmen Sie sich zum Beispiel jeden Abend 15 Minuten Zeit und stromern mit einem Korb durch Ihre Wohnung. Dort kommt alles hinein, was in ein anderes Zimmer gehört und anschließend weggeräumt wird. Oder vielleicht nur Dinge, die Sie ausmisten wollen. So wird die Wohnung Tag für Tag etwas aufgeräumter und luftiger. Die tägliche Wiederholung ist hierbei tausendmal wichtiger als die Länge der Aktion. 

Was, wenn ich sehr an Erinnerungsstücken hänge?

Dann musst du dich nicht zwangsläufig von ihnen trennen, solange du noch nicht bereit dazu bist. Meine Kunden entscheiden stets allein über Behalten oder Weggeben ihrer Dinge. Aus gutem Grund widmen wir uns der Kategorie der Erinnerungen meist zum Schluss. Die Entscheidungen fallen hier unglaublich schwer, da die Gegenstände oftmals mit tiefen Gefühlen verbunden sind. 

Es zu schaffen, einen sichtbaren Ort und somit wertschätzenden Umgang für das Erinnerungsstück zu finden und dafür andere loszulassen, ist nur eine der unzähligen Möglichkeiten, mit denen wir uns gemeinsam an dieses Thema herantasten.

Sieht es in deinem Zuhause minimalistisch und immer ordentlich aus? 

Sagen wir mal so – ich kann jederzeit Besuch empfangen, ohne Magengrummeln zu kriegen oder in Panik auszubrechen. Klar liegt auch bei mir mal etwas rum, und das kann ich mir durchaus eine Weile ansehen. Aber durch meine Grundordnung und meine Routinen sind alle Dinge recht bald und fix wieder an ihrem Platz. 

Ordentlich zu sein, bedeutet nicht unbedingt, auch in einem minimalistischen Zuhause zu wohnen. Obwohl ich das Thema immer spannender finde. Es geht im Minimalismus ja nicht darum, möglichst wenig zu besitzen, sondern die Anzahl an Dingen für sich zu finden, die einen wirklich glücklich machen oder die man tagtäglich benutzt. Davon bin ich noch etwas entfernt, aber wenn euch einmal der Flow des Ausmistens gepackt hat, werdet ihr staunen, mit wie wenig ihr ein rundum zufriedenes Leben führen könnt – und wollt.

Als Geschenk einen Gutschein für ein Ordnungscoaching…?

… sollte unbedingt vorher mit der beschenkten Person abgesprochen sein, denn das kann diese sonst in den falschen Hals bekommen. Außerdem ist die Aktion zum Scheitern verurteilt, sollte die Person die Veränderung nicht selbst unbedingt wollen. Ein Schnupper-Paket kann für 198,00 Euro bei mir gebucht werden.

Wenn der Kunde dann zu dir kommt…?

… dann sollte zwischen uns die Chemie stimmen, denn es handelt sich um ein intimes Thema – ich bekomme eventuell die Unterwäsche-Schublade zu Gesicht. Daher komme ich zunächst für ein kostenloses 30-minütiges Erstgespräch zum Kunden nach Hause. Wir reden über die verbundenen Ziele und ich verschaffe mir dort einen Überblick über die „Problemzone“. Mit einem entsprechenden Maßnahmenkatalog (Raumlayout, Regalsysteme, Etiketten, Checklisten, etc.) erscheine ich dann zum ersten gemeinsamen Termin. Geht es nicht persönlich, kann dieser auch telefonisch oder online stattfinden.

Zum Schluss noch dein wichtigster Tipp für Ordnung?

Alles hat seinen Platz und alles an seinen Platz. Bedeutet, dass alles – von der Reißzwecke bis zum Haargummi – einen festen Platz im Haushalt bekommt und man nach dessen Benutzung den Gegenstand auch wieder dorthin zurückräumt. So kann Chaos gar nicht erst entstehen.

Vorher-Nachher-Fotos (Urheber: Janet Schalk)

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